Beamtendeutsch – so wiehert der Amtsschimmel

Während die deutsche Sprache lebt und leibt, bleibt der Amtsschimmel steif. Schon 2007 veröffentlichten wir einen Beitrag, ebenso berichten viele Medien immer wieder darüber.

Gestern erst brachte Spiegel online einen famosen Beitrag über das Behördendeutsch: Jeder Zweite versteht seinen Steuerbescheid nicht.

Begründung: Rechtssicherheit stünde über Verständlichkeit. Das ist unverständlich, gab es doch schon vor Jahren Initiativen gegen verstaubtes Amtsdeutsch, verständlich geschrieben, juristisch geprüft, fachlich korrekt:

Doch nach wie vor ist noch jede Menge zu tun und so wiehert der Amtsschimmel weiter wulstige Wörter.

So klingt’s in der Amtsstube

… und ihren Behördenbriefen:

  • „in Abzug bringen“ für abziehen
  • Am soundsovielten haben Sie sich „einzufinden“ oder „vorstellig werden“ für erscheinen
  • „steuerliche Vorteilhaftigkeit“ für steuerliche Vorteile
  • „Verbeitragung“
  • „Mehrzweckeinsatzstock“ für Schlagstock (Modell Tonfa)
  • „fallschirmsprungwillig“
  • „Freiwilligkeit“ für freiwillig
  • „Personenvereinzelungsanlage“ für Drehkreuz
  • „originäre Zuständigkeit“ von Behörden
  • „abgänging“ nennt Behördensprech vermisste und verschwundene Kinder

Kompliziert, umständlich, substantivisch, wulstig, formal, gedrechselt, passiv, unpersönlich – das sind einige Kennzeichen unverständlicher Behördensprache.

Noch schlimmer ist wohl die Juristensprache. Nur mit dem Unterschied, dass nicht jeder damit konfrontiert ist und Behörden sich ja als „Dienst am Bürger“ verstehen – na, „da werden Sie geholfen …“.

Links

Literatur

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