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Für Sie aktualisiert am: 20.02.2011 

Bohrkönig!

 

Vorgeschichte:

Nachfolgende Adaption von Goethes Erlkönig kam mir nach einem Zahnarzt-Besuch in den Sinn. Ein oberfränkischer Dentist erwies sich als äußerst bohrwütig. Ausstaffiert mit modernsten Lasergerätschaften wollte er mir weiß machen, dass jeder Zweite meiner Zähne zu bohren sei. Ich war schockiert und wagte es, die Diganose des Halbgottes in Weiß anzuzweifeln - er fühlte sich extrem in seiner Berufsehre gekränkt und legte mir nahe zu gehen. Es gab noch ein kleines Wortgefecht und ich wurde gegangen. So entstand “Bohrkönig”.
Im Nachhinein wurde mir klar, dass solche modernen Gerätschaften recht teuer sind. Bohrkönig wollt wohl eher seine Finanzen, als mein Gebiss sanieren! Andere Zahnärzte bestätigten seine Diagnose übrigens nicht ...

 

Bohrkönig

 

Wer kommet so spät zur Praxis gefah’n?

Es ist der Patient mit seinem Zahn;

Er hat den Zahn wohl in dem Mund,

Er ist sich sicher, er ist gesund.

 

Mein Zahn, was birgst du so bang dein Gesicht? –

Siehst mein Mensch, du den Bohrkönig nicht?

Den Bohrerkönig mit Spiegel und Licht? –

Mein Zahn, es ist eine Füllung die bricht!

 

»Du lieber Zahn, komm geh mit mir!

Gar schöne Bohrer hab ich hier;

Manch bunte Füllungen ich dir mach,

habe keine Angst – ich bin vom Fach!«

 

Mein Mensch, mein Mensch, und hörest du nicht,

Was Bohrerkönig mir leise verspricht? –

Ruhig mein Zahn, wir sind im Wartezimmer;

Was du hörst, ist Patientengewimmer -

 

»Willst feiner Zahn, du mit mir gehen?

Meine Helfer sollen dich schleifen schön;

Meine Helfer sind im süßen Wahn,

und bohren alle Zähne an.«

 

Mein Mensch, mein Mensch, und siehst du nicht dort

Bohrkönigs Helfer in einem fort? -

Mein Zahn, mein Zahn, ich seh’s genau:

Es schimmert das alte Amalgam so grau!

 

»Ich liebe dich, mich reizt dein schöner Schmelz;

Und bist du nicht willig, so rück’ ich dir auf den Pelz.«

Mein Mensch, mein Mensch, jetzt bohrt er mich an!

Bohrkönig hat mir ein Leids getan! -

 

Dem Patienten grauset’s, er kämpft sich voran –

In seiner Backe der ächzende Zahn!

Erreicht den Ausgang mit Müh und Not;

In seinem Mund – der Zahn war tot!

 

© Ulrich Mehner, in Anlehnung an den Erlkönig von Goethe

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