Simson Roller & Mopeds

Simson

Simson, die kultigen Mopeds:

Erlaubte 60 km/h, robuste Technik, ein unverwüstlicher Motor, nostalgisch-schönes Design. Kein Vergleich zu den seelen- und charakterlosen Baumarkt-Scootern mit dem hochgezüchteten Rasenmäherklang.

Und da ist dieser Klang: räng-dängdändäng, pöttpöttpött-peng(fehlzündung)-pöttpött, wuwuwuwu,wui,wui,wui,wui … – hoffentlich komme ich auch an … 😎

Die Simson-Mopeds waren die Lastenesel des Sozialismus. Autos gab’s keine, außer Sie wollten ganze 10 Jahre auf Ihren Trabi warten? Was tut aber der Arbeiter oder Angestellte eines Kombinats, wenn man tagtätlich auf die Arbeit muss? Man nimmt also zwei Räder statt vier – Drahtesel oder Moped-Lastenesel. Wobei die berühmten Schwalben aber auch bis zu 5 Jahren Wartezeit hatten wegen Ihrer Blechverkleidung. Denn Blech war rar in der DDR, das verbaute man lieber für Panzer und Militärfahrzeuge …

Und so blieb bis in die 80er Jahre hinein das Moped der Lastenesel des normalen Bürgers. Umfangreiche Ausstattungen wie Windschutzbleche, Handstulpen und Beindecke sicherten eine fast ganzjährige Fahrtauglichkeit.

Ironie des Schicksals – nach der Wende wollte keiner mehr Simsons haben. Die Jugend im Osten orientierte sich nach Westfahrzeugen wie Vespa, etc. Währenddessen gingen gewiefte Geschäftemacher im Osten auf Einkaufstour, kauften billig Schwalben und S51 auf um sie im Westen teurer zu verkloppen. Ich kann mich heute noch an Anfang der 90er Jahre erinnern: Zeitungsannoncen in der Landshuter Zeitung: Gebrauchte Mopeds, 60 km/h. Die Nachfrage war da – denn, gebe ich als Jugendlicher lieber nicht vorhandene 4.000 DM für eine schlappe Vespa aus, oder ca. 800 bis 1.200 DM für eine flotte Simson? Der Händler hatte in Landshut einen Hof mit Werkstatt, wo er die guten Stücke fahrtüchtig herrichtete und feilbot. Dazu noch andere skurrile Gefährte aus dem Osten, wie Javas … Ein gut bestücktes Ersatzteillager (woher auch immer) rundete sein Dienstleistungsangebot ab.

Und wie sehr freute ich mich, als Anfang der 90er auch offensichtlich fabrikneue Simsons in „LA“ auftauchten – ja, die Simsons werden wieder produziert, erzählte man mir. Allerdings nun mit einem schwächeren Motor, denn in der BRD durften 50er ja nur 50 fahren …

Mittlerweile dürfen sie ja nur noch 45 fahren, dank der EU. Man will hier die Unfallzahlen senken, in dem man die zulässige Geschwindigkeit senkt um ganz 5 km/h – wow, das ist mal wieder brilliante EU-Logik … Dass man mit diesen „Scootern“ eher ein fahrendes Hindernis darstellt und im Verkehrsfluss nicht mithalten kann, scheint die brillianten Denker und Bananenkrümmungsstrategen in Brüssel kaum zu stören. Hier dachte die DDR logischer: mit 60 km/h im Verkehr gut mitfließen können war der Vater des guten Gedankens.

Die DDR brachte nicht nur diese tollen Mopeds hervor. Ein passender Anhänger komplettierte den Lastenesel. Diese Hänger sind sehr begehrt – das letzte, deutlich modernisierte Modell bringt bei Ebay teils bis über 300 Euro.

Was tut ein Wessi mit dem Ostmoped? Ein reger Markt tut sich auf, Ersatzteile und Fahrzeugteile in Hülle und Fülle. Viele Ersatzteile werden sogar wieder neu produziert! Es gibt einen Markt für Motorregenerierung und Restaurierung, zahlreiche „Neuaufbauten“ werden gegen gutes Geld feilgeboten.

Einziger Wehrmutstropfen. Das Fahrwerk der Simsons ist nicht so der Hit. Und die Bremsen tuen ihren Namen auch nicht immer alle Ehre – „vorausschauendes Fahren“ tut Not, willst Du nicht sein bald tot.

Ein Kommentar auf “Simson Roller & Mopeds”

  1. […] für Motorrad / Zweirad wurden Lösungen gesucht und gefunden. Das waren noch Zeiten, als wir an unsere Simson ein CB-Mobilfunkgerät bastelten: Funke in der einen Satteltasche, 12 V-Batterie in der anderen […]

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