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Für Sie aktualisiert am: 28.12.2011 

Ohrenknacken

 

Ohrenknacken ist beknackt - lästig, nervig. Es knackt und knistert oder blubbert, bei jedem Schluck, beim Gähnen, Kauen, beim Bewegen des Unterkiefers. Ein Besuch beim HNO ist leider nicht immer hilfreich - und wenn der HNO die richtige Diagnose - aber kann er auch helfen?

 

Von heute auf morgen fings an zu knacken ...

... bei jedem Schluck, bei jedem Gähnen, ... das macht irre und kirre! Also ab zum HNO - meine Erfahrung: ernüchternd! Mit Ohrenknacken können HNOs offensichtlich nicht sehr viel anfangen.

Die erste Diagnose: “Klappeninsuffizienz”. Schock: Google spuckte unter diesem Begriff aber nur Herzprobleme aus! Klar, die Herzklappe, wenn sie nicht richtig arbeitet, ist sie insuffizient. Aber was hat das mit meinem Ohr zu tun?

 

Da hatte der HNO sich sehr “miss(t)verständlich” ausgedrückt, denn die Eustachische Röhre hat keine “Klappen” zum Öffnen und Verschließen!

Gut, beim nächsten Mal wurde die Diagnose schon besser - “Tubeninsuffizienz”: der Druckausgleich funktioniere nicht so richtig. Sei aber nicht schlimm, einfach nicht hinhören. Warum und woher das auf einmal komme, was genau nicht funktioniere, darüber gabs keine Aufklärung ... könnten viele Gründe sein ... ein “Schleimpfropfen”, zum Bleistift ...

 

Knack, knack, knacking on hearings door ...

“I werd’ no verrückt ...” - also ab zum HNO-Professor. Dieser hörte meine Schilderungen geduldig an - und fragte dann: “Haben Sie in letzter Zeit abgenommen? Ich war völlig verblüfft! Woher wusste er das? Stand es mir auf der Stirn geschrieben? “Ja, 8 Kilo in 4 Monaten”.

Der Prof meinte dann, das wäre der Klassiker - die Leute nehmen ab, und dann fange es im Ohr zu knacken an! Am Modell erläuterte er mir dann die Zusammenhänge: “Sehen Sie, überall sind Fettpolster, auch an der Eustachischen Röhre. Der Körper baut überall Fett ab, auch dort. Daher kommt es dann zu Störungen im Druckausgleich.” Seine Diagnose: “Tubenventilationsstörung”. Machen könne man nicht viel, vielleicht werde es von selber besser, ich könne ja auch wieder zunehmen ...(!)

 

Die Diagnosen in Sachen Ohrenknacken können vom Wortlaut her wie folgt variieren:
  • “Tubeninsuffizienz”
  • “Tubenfunktionsstörung”
  • “Tubenventilationsstörung”
  • “klaffende Tube”

 

Gut, wenigstens gabs jetzt eine Diagnose und einen Erklärungsansatz. Aber ob das alleine das ganze Phänomen erklären sollte? Also ging ich auf die Suche, was wann warum und wieso knacken kann ihm Ohr.

 

 

Gründe fürs Knacken

 

Zu allermeist ist es das Trommelfell: wenn sich die Tube öffnet zum Druckausgleich zwischen Innenohr und Hals-Rachenraum, dann bewegt sich das Trommelfell was wir als knacken hören. Wir alle kennen das Phänomen, wenn wir im Flugzeug sitzen oder über einen Bergpass fahren, oder beim Tauchen: der Druck aufs Trommelfell nimmt zu, und wir gähnen oder halten die Nase zu und pressen Luft hinein - es knackt, und der Druckausgleich hat funktioniert. Ist dieses System gestört, knackt es leider ständig beim Kauen, Gähnen, Schlucken. Es ist also ein mechanisch-physikalisches Problem, eine Funktionsstörung der Tube (Tuba auditiva).

 

Ein anderer Mechanismus, der zum Ohrenknacken führen kann, ist ein Innenohrödem. Das “Blubbern” kann ferner eine Wasseransammlung im Mittelohr sein.

 

Der Gaumensegel-Tremor führt oft zu einem Klicken im Ohr.

 

 

Ideen Die Tube: tuba auditiva - Eustachische Röhre - Ohrtrompete
Viele Namen, eine Funktion: die Tube ist ein Verbindungsröhrchen zwischen dem Rachenraum und dem Mittelohr. Es stellt den Druckausgleich sicher zwischen Außen- und Innenohr.

 

 

Infektionen: Hals-Nasen-Rachenraum, Tubenkatarrh, Mittelohrentzündung

Z. B. haemophilus influenzae-Infektion, Tubenkatarrh, auch in Verbindung mit Infektionen des Hals-Nasen-Rachenraums. Die Konsistenz von Rachenschleimhaut und der Tube sind identisch. Ist die Schleimhaut angegriffen oder hat sich ihre Konsistenz sogar verändert (soll z. B. nach Haemophilus-Influenzae-Infekten der Fall sein können), haften die Tubenschleimhäute nicht mehr aneinander (verminderte Adhäsion), und die Tube macht schneller auf was zum Knacken führt.

Eine Bekannte bekam das Ohrenknacken nach einer heftigen Mittelohrentzündung.

Eine Apothekerin sagte mir, das Lymphsystem könne mit eine Rolle spielen, z. B. fühlbare Lymphknoten am Hals bei einer Halsentzündung und Atemwegsinfektion. Die aktivierte Lymphe könne dann auch bis auf die Tube wirken durch gestörten Abfluss von Lymphflüssigkeit oder Rückstau...?

 

Gestörtes Zusammenspiel der Muskeln

Ein filigran aufeinander abgestimmtes Wechsel- und Zusammenspiel diverser Muskel im Mund und Rachenraum öffnet und schließt die Tube. Durch muskuläre Dysbalancen kann dieses Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht geraten und so die Tubenfunktion stören.

 

Verspannungen

Verspannungen im Nacken und Mund-Kieferbereich können als Muskelstörungen bis hin zur Tubenfunktion durchwirken.

 

Kiefergelenke

Kiefergelenksproblematiken haben oft verspannte Kiefermuskeln zur Folge, die bis zur Tubenfunktion fortwirken können.

 

Ostmann-Fettkörper

Die Tube ist beidseitig von Muskeln und dem Ostmann-Fettkörper umgeben welche sie verschließen. Durch sehr starkes Abnehmen in kurzer Zeit kann auch dieser Fettkörper “abnehmen” und schrumpfen, so dass die Tube nicht mehr richtig fest schließt bis hin zu einer “klaffenden Tube”. Laut einem HNO-Professor “DER Klassiker”: die Leute nähmen ab und es fange im Ohr an zu knacken ...

 

Allergien und Nasennebenhöhlen

Eine gestörte Belüftung der Nasennebenhöhlen kann sich ebenfalls auf die Druckausgleichs-

funktion der Tube auswirken. Gründe können anatomischer Natur sein (Nasenscheidewand, Nasenmuschel) oder Allergien sowie Schnupfen.

 

 

Therapie-Ansätze

 

Paukenschnitt / Trommelfellschnitt

Wie besprochen ist der Grund fürs Knacken das sich bewegende Trommelfell beim Druckausgleich. Ein Paukenröhrchen stellt eine direkte Verbindung her zwischen Außen- und Mittelohr, sodass der Druckausgleich nicht mehr primär über die gestörte Tube erfolgt. Da sich das Trommelfell somit nicht mehr durch Druckausgleich bewegen muss, könnte sich das Knacken verringern. Die Methode hat allerdings Nachteile: sie doktert nur an Symptomen, behebt nicht das eigentliche Problem. Ein Trommelfell mit Öffnung bietet zudem höhere Risiken für Mittelohrinfektionen: beim Duschen muss das Ohr mit Ohrstöpsel abgedichtet werden, ebenso beim Baden.

 

 

Nasenpflegeöl & Nasenduschen, Nasensprays

Mit Nasenpflegeölen und Nasenduschen befeuchten, reinigen und pflegen Sie Ihre Nase, Nasenschleimhäute und Nasennebenhöhlen. Dies kann unter Umständen zu einer Besserung führen: Atmung und Luftzirkulation werden verbessert, die Schleimhäute befeuchtet und angeregt. Über die Verbindung der Nase zum Rachen gelangen das Nasenöl und die Salzlösung der Nasendusche auch bis zur Tubenöffnung.

Eine HNO-Ärztin empfahl eine kortisonhaltiges Nasenspray. Generell sei es sehr schwer an die Tube heranzukommen oder sie zu beeinflussen, das wäre eigentlich nur mit Cortisonsprays möglich. Mir hat’s allerdings nicht geholfen. Abschwellende Nasensprays können bei Klaffender Tube und zu wenig schließender Tube zudem zur Verschlechterung der Symptomatik führen, da auch die Tube hierbei noch mehr abschwillt, was der Symptomatik Vorschub leistet.

 

 

Operationen

 

a) Nasenscheidewand

Durch einen Eingriff an der Nasenscheidewand oder eine Verkleinerung der Nasenmuschel kann eine freiere Belüftung und bessere Luftzirkulation erzielt werden mit denselben positiven Auswirkungen wie unter Abschnitt “Nasenpflegeöl” beschrieben.

 
b) Tubenunterspritzung

Prof. Marc Bloching behandelt die Klaffende Tube, indem er die Tube unterspritzt und somit dicker und konsistenter macht damit sie wieder besser schließt. Meines Wissens nach werden hierbei sowohl gelartiges Material als auch körpereigene Knorpelmasse verwendet -> Kontakt.

 

 

Physiotherapie

Mein heißester Tippe bei Tubenproblemen (Ohrenknacken, klaffende Tube, ...) ist Physiotherapie:

 

a) Bei Kieferfehlstellung:
  • Beißschiene vom Zahnarzt und/oder Kieferorthopädie
  • Kiefergelenktherapie (Cranio-mandibuläre Therapie)

 

b) Bei Verspannungen:
  • Gesichts- und Nackenmassage
  • allgemeine Physiotherapie
  • Entspannungstechniken
  • herzhaft Gähnen, singen, lachen

 

 c) Tuben-spezifische Physiotherapie: information

Muskeln und Funktionen rund um die Tube werden verbessert, ebenso wie evtl. Kiefergelenks- und Kaumuskulatur-Beschwerden: www.tubenfunktion.de/info.html

 

 

Ideen spezielle Physiotherapie bei Ohrenknacken und klaffender Tube
Physiotherapeutin Bettina Gronemeyer ist eine Pionierin auf dem Gebiet der Tuben-Therapie. 2005 veröffentlichte sie eine Behandlungsmethode bei Funktionsstörungen der Tuba auditiva.
Bei der Entwicklung dieser innovativen, einzigartigen und erfolgversprechenden Behandlungsmethode arbeitete sie eng mit Priv.-Doz. Dr. med. Sören Wenzel zusammen, einem Fachmann in Sachen “klaffender Tube”.

Mehr Informationen: www.tubenfunktion.de

 

Physiotherapie ist wahrscheinlich das Mittel der Wahl bei knackenden Ohrproblemchen zur Stabilisierung des ganzen Apparates. Das soll den Übergang optimieren vom Rachenraum zum Innenohr und vor allem soll es die Muskeln stärken, die den Übergang regulieren. Das könnte das Ganze wieder etwas geschmeidiger machen, dass es nicht mehr so ploppt.

 

Psychotherapie

Ähnlich dem Tinnitus: das Knacken lernen zu überhören, nicht darauf zu achten, das “furchtbar nervige Knacken” bekommt seine Macht durch diese Bewertung - seine Macht nehmen durch eine andere neutralere Bewertung / Sichtweise: “es knackt, ok, ich nehme es wahr, ich akzeptiere es ohne es verändern zu wollen. Es ist unangenehm, aber mehr nicht.”

 

 

Naturheilkunde

Es gibt in der Homöopathie das Mittel “tuba auditiva” das die eustachische Röhre regulieren soll. Ich halte allerdings nichts von Homöopathie, führe diese Möglichkeit daher nur aus Gründen der Vollständigkeit auf.

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