Ich seh rot – du auch?

Rot ist eine Warnfarbe. Sie signalisiert Gefahr. Bestens bekannt von der Ampel. Die Alarmwirkung mag vom Feuer herrühren, vorsicht heiß = Gefahr! Gifttiere warnen mit ihrem schimmernden Farbenkleid vor der Gefahr ihres Giftes – hier ist „rötlich gleich tödlich“. Wir sehen sprichwörtlich „rot“ und scheinbar erregt das Rot auch den Stier in der Arena. Der US-Präsident hat ein rotes Telefon, der rote Planet Mars fasziniert die Menschen, Schneewittchen mit roten Lippen betört uns sinnlich …

Rot, die Farbe der Dunkelheit, die Farbe der Nacht

Rote Linsen haben die verhassten Blitzeranlagen. In unheimlichen, geheimnisvollen Rot erscheint der Kampfraum eines U-Boots oder die Kanzel des Jetpiloten im Nachteinsatz. Auch in der zivilen Schifffahrt ist die Brücke des Nachts in rotes Licht getaucht.

Doch warum ist das so?

Rotes Licht durchschaut!

Das Display des Funkgerätes blendete in der Nacht sehr stark und ließ sich auch kaum dimmen – durch eine rote Folie ist der Blendeffekt massiv abgeschwächt!

Unser menschliches Auge reagiert nachts unempfindlich auf Rot. Wir werden durch Rot wenig geblendet, die Pupillen bleiben offen für das wenige nächtliche Streu- und Restlicht. Wir werden nicht „nachtblind“. Das ist wichtig für:

  • den Piloten wenn er nachts auf Sicht fliegt, aber seine Instrumenten und Karten ablesen muss
  • den Steuermann oder Kapitän auf der Brücke, wenn sie den Seeraum vor sich überblicken müssen und nach Hindernissen Ausschau halten
  • den U-Bootfahrer, wenn er nachts durch das Periskop schaut soll er ja noch was erkennen können
  • den Autofahrer – würde er mit weißem Licht geblitzt, wäre er gefährlich lange geblendet. Das erhöhte die Unfallgefahr.
  • den Astronomen – dank seiner Rotlichtlampe kann der Astronom sein Gerät bedienen und Sternenkarten ablesen ohne geblendet zu werden. Denn fällt weißes Licht in seine Augen, braucht er wieder 30 min. bis seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt sind.

Und übrigens – Stiere sind farbenblind bei rot. Was den armen Tier in Rage bringt, ist das Wedeln mit dem Tuch.

„Rotlichtmilieu“ Astronomie?

Rund und rot strahlte der Mond zur großen Mondfinsternis 2018

Rot wird in der Astronomie gern gesehen

Zum einem bringen rote Objekte „Farbe“ ins graue Spiel. Der Mensch sieht nachts nur schwarz-weiß. Die meisten Objekte am Nachthimmel sind weiß-grau in verschiedenen Abstufungen. Nur helle Objekte wie Planeten offenbaren Farbe oder Sterne, die von weiß, über weiß-blau bis gelb und rot leuchten. In besonders lichtstarken Objektiven können auch helle Nebel wie der Orionnebel schon einmal Farbe bekennen. Siehe auch >> „Astronomie in Farbe?“

Rot ist hier ein auffälliger Kontrast. Warum fasziniert der Mars die Menschen? Wegen seiner roten Farbe! Der sprichwörtliche rote Planet hebt sich deutlich vom „gauen“ Einerlei der übrigen Gesteinsplaneten ab.

Zum anderen ermöglicht Rot das Ausüben der Astronomie in der Praxis. Pupillen bleiben geöffnet. Bei anderen Farben, vor allem Weißlicht, werden wir sofort stark geblendet, die Pupille verengt sich schlagartig.

Der Rot-Filter unterdrückt Seeing

Im langwelligen roten Licht wirkt störende die Luftunruhe wesentlich weniger. Das gilt sowohl für den optischen als auch den visuellen Bereich. Rotfilter vor der Kamera beruhigen das Seeing etwas. IR-Durchlassfilter noch mehr.

Der Astro-PC: roter Monitor erwünscht

Egal ob wir Astronomie und Astrofotografie mit Tablet, Smartphone oder PC betreiben – der Monitor sollte rot sein. Manche Apps und Programme bieten einen Nachtmodus gleich in rot. Dumm bei meiner Lieblings-APP: Die virtuelle Tastatur bleibt doch in blendendem Weiß! Hier hilft der Nachtmodus auch nichts. Zur Not kann man zu roten Glasscheiben oder Folien greifen. Folien sind pflegeleichter zu handeln. Bei selbstklebenden roten Folien sollte man aufpassen, dass sie nicht zu stark an empfindlichen Notebookmonitoren haften. Beim Ablösen könnte das schaden.

Rotes Licht in der Medizin

Die Farblichttherapie geht davon aus, dass Farben unsere Stimmung beeinflussen. So sollen Farblichtbrillen verschiedene Wirkungen auf uns haben. Rote Brillen sollen hier Herzfrequenz und den Blutdruck steigern sowie die Sinnlichkeit erhöhen.

Rotes Licht erscheint uns als warm. In einem rot gestrichenen Raum fühlen wir uns wärmer als in einem „kalten“ blauen Zimmer. Dieser subjektive Eindruck trügt nicht, denn rotes Licht ist wärmer. Feuer ist rot – und warm. Rotlichtlampen im Infrarotbereich werden schon lange gegen Verspannungen verwendet. Sie durchbluten das Gewebe und erwärmen es. Auch bei Brutkästen und im Stall finden wir wärmende Rotlampen.

Rot in der Natur

Rote Naturphänomene üben eine Faszination auf den Menschen aus. Rot ist eine sehr starke, auffällige Farbe. Sie kontrastiert zudem zum „grauen“ Alltag, bringt „Farbe“ ins Spiel. Rot ist mit Sicherheit eine sehr schöne, eindrucksvolle Farbe. Und sie kommt gar nicht so häufig vor. Alles was selten ist, ist von vorneherein schön: Rotes Laub, eine rote Abendsonne, der rote Planet Mars, roter Sandstein, roter Purpur, rotes Gold.

Der Himmel glüht – roter Feuerhimmel über Bayreuth

Rot in der Religion

Rot spielt in Religionen eine Rolle – Rot ist hier die Farbe der Sünde und der Lust. Laut dem Alten Testament ist Sünde blutrot – sie kann jedoch abgewaschen werden und schneeweiß werden. Was für ein Kontrast. Aber das Reinewaschen erfolgt ausgerechnet wieder durch rotes Blut selbst (Opferlamm).

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